Pflanzenbewässerung und Tensiometer – Hand in Hand mit Living Soil

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Jeder kennt es, jeder kann es.. Living Soil. Eine Erde, die lebt, wie der Name sagt. Doch wer ein wenig recherchiert, wird sich bald fragen: Wie soll denn eine aus vielen Metern Bodenschichten bestehende Biomasse in einem kleinen Topf oder einem lachhaft kleinen Beet überleben? So easy und selbstverständlich wie im Freien ist das in Töpfen und Beeten tatsächlich nicht. Es braucht eine Armada von schnell wirkenden Enzymen, Bakterien, Mycorrhizae, Komposttees, Muschelpulver, Blutmehl, und anderen seltsam riechenden Substanzen, die meistens braun sind, um die oberste fruchtbare Schicht eines Bodens zu imitieren, in dem alles grünt und blüht. Zum Glück gibt es einige Hersteller, die fabelhafte Produkte anbieten, mit denen man zuhause auch als Anfänger einen Living Soil Grow hinbekommt. Schau dir dazu Biotabs an!
Der große Vorteil von Living Soil? Einfach nur mit Wasser gießen! Hört sich aber einfacher an, als es ist…
Die richtige Bewässerung ist das A und O für gesunde Pflanzen, besonders in Living Soil – doch bekannterweise führt zu viel oder zu wenig Wasser zu extremem Stress für unsere Lieblingspflanzen. Living Soil, also ein lebendiges, mikrobiell aktives Substrat, stellt hohe Anforderungen an die Balance von Feuchtigkeit und Sauerstoff. Ohne Hilfsmittel ist das schwer zu gewährleisten. Ein Tensiometer hilft dabei, genau diese Balance zu messen und so das Gießmanagement optimal an die Bedürfnisse der Erde anzupassen.

Wir haben für dich nachgeforscht und MMM Tensiometer ins Sortiment aufgenommen. Schau mal rein!

Was misst ein Tensiometer?

Bodennässe Bodenwerte perfekte Verhältnisse

Ein Tensiometer misst die Saugspannung des Wassers im Boden.

  • Physikalische Grundlage: Im Tensiometer befindet sich eine wassergesättigte Tonspitze, die mit dem Boden in Kontakt steht. Sinkt die Bodenfeuchte, saugt die Erde Wasser aus dem Gerät, wodurch im Inneren ein Unterdruck (Saugspannung) entsteht.
  • Anzeige: Ein Manometer zeigt diesen Unterdruck in Hektopascal (hPa) an – je höher der Wert, desto trockener der Boden.
     

Dirks Tipp „Blick durch die Augen der Pflanze“: Die Saugspannung entspricht der Kraft, die Pflanzenwurzeln aufbringen müssen, um Wasser aufzunehmen. Liegt sie im optimalen Bereich, nehmen die Pflanzen mühelos Wasser und Nährstoffe auf.

Warum ist die Saugspannungsmessung für die Pflanzenbewässerung relevant?

  • Bodenart-unabhängige Vergleichbarkeit:
    Anders als reine Volumenmessungen sind Hektopascal-Werte direkt übertragbar, ob Sand-, Schluff- oder Tonboden – immer dieselbe Handlungsempfehlung bei gleichem Wert.
     
  • Stressschwellen definieren:
    Stressschwelle ist der Punkt (ein bestimmter hPa-Wert), an dem die Pflanze ihre Aufnahmefähigkeit merklich einschränkt und erste Trockenstress-Symptome auftreten (z. B. welkende Blätter, verlangsamtes Wachstum). Wenn man diese Schwelle kennt, kann man rechtzeitig gießen, bevor die Pflanze Schaden nimmt. So vermeidet man sowohl Über- als auch Unterbewässerung.
     
  • Optimalbereich: ca. 100–350 hPa Unterdruck (je nach Kultur), bei Brokkoli etwa 200 hPa je nach Substrat (grüner Bereich)
     
  • Wachstumsdepression: ab etwa 500 hPa (roter Bereich auf dem Manometer)
     

Wie funktioniert ein Tensiometer?

Tensiometer im Pflanztopf

Das Tensiometer misst die Saugspannung des Wassers im Boden (Bodenwasserpotential), also die Kraft, mit der das Wasser im Boden zurückgehalten wird und die Pflanzenwurzeln aufbringen müssen, um Wasser aus dem Boden zu entnehmen.

Für den Betrieb füllt man den Tensiometer-Schaft bis etwa 1 cm unter den oberen Rand des Schafts mit Wasser, dann setzt man das Manometer luftdicht auf (leicht drehen, ähnlich wie einen Korken in eine Flasche). Über poröse Tonporen steht das Wasser im Tensiometer über Wasserbrücken mit dem umgebenden Bodenwasser in Verbindung. Trocknet der Boden aus, zieht das Erdreich Wasser aus dem Tensiometer, wodurch im Inneren ein Unterdruck (Saugspannung) entsteht, der gemessen wird. Dieser Unterdruck entspricht der Saugspannung (dem Bodenwasserpotential).

Nach einem Bewässerungs- oder Regenereignis ist die Kraft, mit der das Wasser im Boden zurückgehalten wird, geringer als der Unterdruck im Tensiometer. Folglich „saugt“ das Tensiometer Wasser über die poröse Tonspitze aus dem Boden in sich hinein, und der Unterdruck im Schaft sinkt. Nach einer Wasserzugabe dauert es etwa 15 bis 30 Minuten, bis das Tensiometer den „wahren“ Wert anzeigt. Grund dafür ist, dass das Wasser einige Zeit benötigt, um in die tieferen Bodenschichten einzudringen.

Um den exakten Wert zu erhalten, zieht man von dem am Manometer abgelesenen Wert die Schaftlänge (in cm) ab.

Komponenten und Anzeige

Überwässerung beim Homegrow

  • Tonspitze: Austauschbar und wasserdurchlässig
     
  • Schacht mit Wasserreservoir: Verbindet Spitze und Manometer
     
  • Manometer mit Farbskala:
    • Grün = optimal
    • Gelb = bald gießen
    • Rot = akuter Trockenstress

Praxisvorteile im Bewässerungsmanagement

Bewässerung Tropfbewässerung indoor

Präzise Gießmengen: Anhand von Tabellen (mm-Wasser bis 80 hPa), lässt sich exakt dosieren.


Kosten- und Ressourceneffizienz: Kein Über­gießen, weniger Auswaschung von Nährstoffen.


Perfektes Nährstoffmanagement: Ein Tensiometer kann das Substrat dabei unterstützen, schnell & effektiv Nährstoffe verfügbar zu machen.
 

Einbau und Messstelle

MMM Tensiometer beim Gewächshaus Anbau

Messtiefe: Im Hauptwurzelraum (z. B. 20 cm bei Gemüse, 30 cm bei Tomaten).

Anzahl: Ein Gerät pro Parzelle oder Kübel, wenn alles dasselbe Substrat hat.

Platzierung: Frei von Wurzeldruck, Tonspitze vollständig im Boden.

Kurzanleitung:

  • Die Tonspitze wird zuerst bewässert, am besten über Nacht einlegen.
  • Man füllt das Rohr mit Wasser und wartet kurz, bis der Tonkegel sich vollgesaugt hat. 
  • Seitlich ein paarmal ans Rohr schnipsen, damit sich Luftblasen lösen und aufsteigen.
  • So auffüllen, dass etwa 1 cm Luft bleibt.
  • Dann fest verschließen und das Loch für das Tensiometer in der Erde vorbohren, am besten in feuchter Erde, die später die Messspitze schön ummantelt. Nochmal nachmessen, denn das Tensiometer eignet sich nicht zum Bohren. Ein wenig tiefer bohren und das Loch ein wenig mit Schlamm füllen, den man aus der herausgebohrten Erde und Wasser mischt.
  • Das Tensiometer einsetzen, etwa 5-10 cm vom Rohr außen stehen lassen, und nochmal großzügig Schlamm in das Loch nachschütten. Die Anzeige sollte in kurzer Zeit reagieren und ansteigen.

Fazit

Organischer Eigenanbau mit Anbauplan

Ein Tensiometer ist das ideale Werkzeug, um Living Soil optimal zu bewässern: Es liefert bodenartunabhängige, pflanzenrelevante Werte und hilft, Wasser und Nährstoffe effizient einzusetzen. In Kombination mit automatischer Tropf- oder Dochtbewässerung ermöglicht es ein präzises, nachhaltiges Bewässerungsmanagement.

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FAQ

Was ist ein Tensiometer und wofür wird es eingesetzt?

Ein Tensiometer ist ein Messgerät zur Bestimmung der Bodenfeuchte bzw. des Bodenwasserpotentials über die Saugspannung des Bodens. Es zeigt an, wie viel Kraft Pflanzenwurzeln aufwenden müssen, um Wasser aus dem Boden aufzunehmen. Tensiometer werden im Gartenbau und in der Landwirtschaft eingesetzt, um die Bewässerung zu optimieren.

Wie wird ein Tensiometer installiert?

Zuerst sollte die Tonspitze gut gewässert werden (z. B. über Nacht in Wasser stellen), anschließend füllt man den Schaft des Tensiometers mit Wasser und schließt das Manometer luftdicht an. Nun bohrt man ein Loch in den Boden in der benötigten Tiefe (typisch etwa 15–50 cm, je nach Wurzelzone der Kultur. Danach setzt man das gefüllte Tensiometer vorsichtig in das Loch ein. Den verbleibenden Hohlraum um das Rohr füllt man mit einem dünnen Schlamm aus Erde und Wasser auf, um einen guten Kontakt zwischen Ton und umgebendem Boden herzustellen.

Eignen sich Tensiometer auch für Topfpflanzen, Growboxen oder Living Soil?

Ja. Es gibt spezielle Tensiometer für Substrate in Töpfen und für Living Soil. Für solche Anwendungen werden oft kürzere Tensiometer mit empfindlicheren Messbereichen genutzt  – ideal für Torfsubstrate, Topfpflanzenerde, Kokosfasern und Living Soil, wo die Böden generell im feuchten Bereich gehalten werden.

FAQ zu Tensiometern


Wie liest und interpretiert man die Messwerte des Tensiometers?

Die Anzeige eines Tensiometers erfolgt in der Regel als Druckwert, meist in Hektopascal (hPa) oder Centibar (cbar) (1 cbar = 1 kPa = 10 hPa). Moderne Geräte zeigen oft direkt den Absolutwert ohne Vorzeichen an, obwohl es physikalisch ein Unterdruck ist. Grundprinzip: Je höher der Wert, desto trockener ist der Boden.


Welche Messwerte sind optimal und wann sollte man bewässern?

Welche Saugspannungs-Werte angestrebt werden, hängt von der Kultur und dem Bodentyp ab. Dennoch lassen sich Richtwerte angeben. Als Faustregel gilt: Die optimale Bodenfeuchte für unsere Lieblingspflanzen liegt im Bereich von etwa −200 hPa Saugspannung.

Wie pflege und warte ich ein Tensiometer richtig?

Ein Tensiometer benötigt etwas Pflege, um zuverlässig zu arbeiten. Halte das Gerät wassergesättigt und luftfrei und schütze es vor Frost. Konkret solltest du regelmäßig (mindestens wöchentlich) den Wasserstand im Tensiometerrohr kontrollieren.